Thomas D

Thomas D im Interview

Die Fantastischen Vier feierten im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Sie prägten wie keine andere Formation den deutschen Hip-Hop in den 1990er-Jahren und sind auch heute noch ganz oben. Thomas D war selbst auch schon immer auf Solo-Pfaden unterwegs und verschaffte vielen Fans „Rückenwind“, bat aber auch um „Lektionen in Demut“. Wichtigste Erkenntnis: Umweltschutz, Tierwohl und die künstlerische Freiheit stehen über dem persönlichen Erfolg.

Schon 2001 hast du das „Gebet an den Planet“ veröffentlicht. 2019 spricht man von „Fridays for Future”, ein wenig eher machen PETA-Videos die Runde. Macht es dich manchmal sauer, dass die Menschheit so lange zum Umdenken braucht?

Thomas D: Ich glaube tatsächlich, dass der Mensch erst dann zu denken anfängt, wenn er selbst die Auswirkungen seines eigenen Handelns spürt – insofern muss es wohl erst unter dem eigenen „Allerwertesten“ brennen, damit etwas passiert. Es macht mich nicht sauer, sondern manchmal eher ein bisschen traurig. Oder sentimental. Aber: Es ist noch nicht zu spät und vielleicht schaffen wir es ja. Und das macht mir wiederum Hoffnung.

Für dein Engagement im Bereich Umweltschutz, Tierrechte und weitere soziale Projekte hast du sogar den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg bekommen. Macht dich sowas stolz oder siehst du es eher als deine Pflicht an, für diese Bereiche zu kämpfen?

Thomas D: Ich würde das natürlich auch machen, wenn ich nicht berühmt wäre. Das ist ja jetzt nichts, womit ich mich brüsten würde. Ja, ich empfinde das schon als meine „menschliche“ Pflicht, der Erde etwas zurückzugeben für das, was sie mir schenkt. Aber natürlich habe ich mich gefreut, diese Auszeichnung überreicht zu bekommen – besonders, weil sie von Ministerpräsident Kretschmann übergeben wurde. Ich wüsste jedoch nicht, ob ich den Orden von jemandem anderen überhaupt angenommen hätte.

Thomas D

„Ich denke, wir alle genießen schon ein großes Maß an Freiheit.“

 

Welches Thema würdest du für „Wissen vor acht“ gerne noch einmal näher untersuchen?

Thomas D: Oh, in „Wissen vor acht“ haben wir so viele spannende Themen, die auch so viele spannende Reaktionen auslösen. Wenn man da zum Beispiel mit „Überfischung“ kommt, hat man gleich mächtig Ärger an der Backe. Tatsächlich gibt es da Verbände, die ernsthaft behaupten, sowas gäbe es gar nicht. Oder die Aussage „Esst weniger Fleisch“ führt auch schnell zu Warnschüssen der Fleischindustrie, die glauben, ich würde ihnen ihren Markt kaputt machen, wenn ich die Menschen zu solch einem Boykott auffordere. Es gibt da so viele Interessensgemeinschaften, die bestrebt sind, dass ihr vorhandenes System einfach weiterläuft. Umso schöner ist es jedoch, wenn man die Möglichkeit hat, genau dort mit der Nadel ein wenig reinzustechen. Und wenn sich das dann diese ernsten Themen auch noch mit ein paar anderen schönen, „süßen“ oder lustigen Themen abwechseln und man muss das dann in knapp eineinhalb Minuten unterbringen, ist das doch ein echt schönes Konzept. Ich bin sehr stolz und dankbar, dass ich das machen darf und werde „Wissen vor acht“ auch in den nächsten Jahren gerne noch weiter begleiten. 

Ich erinnere mich an eine Situation, dass ich damals „Kennzeichen D“ in das Radio meines ersten Autos schob und mit mehreren Kumpels auf der Autobahn über „Keine Panik – der Handtuch Song“ philosophierte. Auf einer Geburtstagsfeier hatten auf einmal alle Handtücher dabei. Vielleicht bekomme ich nun endlich eine Antwort: Wie entstand die Idee zu dem Song?

Thomas D: Nun, der Ursprung ist „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort muss man bei Reisen durch die Zeit und den Raum immer ein Handtuch dabei haben – weil es durchaus vorkommen kann, dass man sich mal ganz schnell eben den Schweiß von der Stirn wischen muss. Das Buch hat mich damals sehr geflasht. Douglas Adams hatte einfach so eine wunderschöne humoreske Art, mit unseren kaputten Gesellschaft, mit unseren kaputten Welt, mit der ganzen kaputten Psyche umzugehen. Das hat mich sehr bewegt. Und dann dachte ich eines Tages: „Ganz egal was kommt, Hauptsache du hast ein Handtuch mitgenommen“.

Thomas D

Hatte Thomas D schon immer Rückenwind? Das Lied läuft noch heute nicht nur bei Hardcore-Fans rauf und runter. Die Suche nach der Freiheit beschäftigt die Menschen nach wie vor. Wie genau definierst du für dich selbst Freiheit?

Thomas D: Ich denke, wir alle genießen schon ein großes Maß an Freiheit. Allein schon die Meinungsfreiheit oder die Freiheit, seine eigene „Personality“ auszuleben. Das ist von sich aus schon ein Geschenk mit großem Wert. Viele Menschen in anderen Ländern können das nicht so ausleben wie wir. Die Freiheit zur Selbstbestimmung ist ein ganz großes Gut und ich als Künstler habe natürlich auch die Freiheit, meinem Talent, meiner Bestimmung, meinem inneren Drang einen Output zu generieren. Etwas in diese Welt zu geben, was vielleicht mehr Bestand hat als die Tageszeitung. Vielleicht sogar ein bisschen länger hält, vielleicht sogar länger als mein eigenes Leben. Und: Freiwillig morgens früh aufzustehen und nicht ins Geschäft zu müssen oder in die Schule wie meine Kinder, das halte ich für eine sehr große Freiheit. 

Welchen Teil spielt deine Kommune dabei? Ich erinnere mich an ein Interview mit Nicholas Müller und Tobias Schmitz, welches ich im Rahmen der „Von Brücken“-Tour führte. Nicholas schwärmte sehr von der Zeit bei dir. 

Thomas D: Leider ist die eigentliche Zeit der Kommune vorbei. M.A.R.S. (Moderne Anstalt rigoroser Spakker) ist an sich keine Kommune mehr. Früher haben hier knapp 14 Leute gewohnt, heute wohnt meine Familie hier. Bertil Mark als Studiopartner ist auch noch hier, ist aber als Lichtkünstler so gefragt, dass er einfach sehr viel unterwegs ist. Insofern ist es hier recht einsam geworden. Aber ich habe ein wunderschönes Studio und Freunde des Hauses produzieren hier auch teilweise noch Musik. Natürlich auch ich selbst und natürlich auch die Fantas. Es ist halt so, dass man hier am Arsch der Welt ist (aber es ist ein schöner Arsch!) und wirklich auch tagsüber sehr kreativ sein kann. Kein Lärm, keine Geschäftswelt, keine nüchtern denkende Maschine, die einen umgibt. Sondern hier ist immer „nix“. Und das merkt man bei allen Leuten, die hierherkommen: Die lassen sich fallen, die blühen auf. Es ist einfach ein Ort einer großen Kreativität. Das schätzen Künstler natürlich sehr. Und genau dafür ist dieser Ort immer noch da, auch wenn die Kommunen-Zeiten vorbei sind. 

Thomas D

„Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was ich ohne die Fantas gemacht hätte.“

Gab es damals einen Plan B, wenn du nicht bei den Fantas geblieben wärst? Was wäre dann geworden?

Thomas D: Ich habe mal einen Song mit dem Titel „Ich schwör, ich wär‘ so gerne wieder Frisör“ geschrieben. In Wirklichkeit müsste der natürlich heißen „Ich schwör, ich werde nie wieder Frisör“. (lacht) Ich habe zwar Friseur gelernt, aber meine Mutter sagte immer, vor allem, um sich selbst zu beruhigen: „Dann hat er was Gescheites gelernt. Wenn das eines Tages mal vorbei ist mit den Fantas, dann kann er ja in einem soliden Beruf arbeiten.“ Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte. Gott sei dank muss ich mir diese Frage auch gar nicht stellen. 

Was wünschst du dir für diese Welt? Was sollte sich verändert haben, damit du eines Tages als steinalter, weiser Thomas D „beruhigt“ gehen kannst? 

Thomas D: Ich bin ein naiver Träumer. Und obwohl mich die Realität immer wieder einholt, halte ich es nicht für unmöglich, dass die Menschheit einsieht, dass wir auf einem Planeten leben. Alles was wir tun, sogar unser Denken und unsere Einstellung beeinflusst diese Welt. Zudem glaube ich daran, dass niemand leiden will und ich wünsche mir, dass wir das Leiden beenden. Unser eigenes und damit auch das der Tiere. Und somit der gesamten Welt. Ich wünsche mir, dass wir uns als EIN Planet erfassen und erkennen, dass Umweltverschmutzung keine Grenzen kennt. Dass wir alle die gleiche Luft atmen und dasselbe Wasser trinken. Ich wünsche mir, dass die Leute sehen, dass JEDES Kind so wichtig ist, wie ihr Kind. Und dass wir insgesamt alle Kinder dieser Welt sind. Gehen werde ich eines Tages eh – aber ich schätze, ich werde beruhigt gehen. Denn am Ende habe ich für meinen Teil alles gegeben. Das nehme ich mir auch jeden Tag aufs Neue vor. 

Vielen Dank für die Zeit, Thomas D!

Thomas D

„Ich wünsche mir, dass wir erkennen, dass Umweltverschmutzung keine Grenzen kennt.“


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Weitere Informationen über Thomas D gibt es auf seiner Website: www.thomasd.net // Fotocredits dieses Beitrags: Moritz „Mumpi“ Künster und Christoph Köstlin.

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