Esiah

Esiah im Interview: Ich leb‘ für die Oldschool!

Der Hamburger Rapper Esiah ist schon lange kein neues Gesicht mehr im Game. Seine Tracks und Texte sind mehr als gut durchdachte Statements mit eigener Meinung, sein Stil die klassische „Old School“-Manier. Mehr als genug Gründe, mit ihm für die Kategorie Featuring ein Interview zu führen.

„Ich leb‘ für die Oldschool“ – Du hast mal gesagt, dass du durch Nas, Mobb Deep und Rakim geprägt wurdest. Ab wann fängt denn für dich „New School“ an?

Für mich beginnt „Newschool“ ab dem Zeitpunkt, wo Rap durch Electro-Beats geprägt wurde. Das heißt: Ungefähr ab dem Jahr 2010, wo der Sound bzw. der Klang von analog auf digital überging und dadurch die einzelnen Stile vereinheitlicht wurden. Wo früher der Sound nach mehreren Anbietern bzw. verschiedenen Künstlern klang, hört sich „Newschool“ monopolisiert an. Jeder Sound klingt nach einem einzigen Anbieter.

Schauen wir mal auf die letzten 20 Jahre Hip-Hop zurück. Was hat dich da besonders gekickt? Und was fandest du gar nicht gut?

Wenn wir von Hip-Hop der letzten 20 Jahre reden, ist DMX eine der letzten Künstler, die ich vom Gesamtpaket – neben Mobb Deep und Nas – gefeiert habe. Er, Ja Rule und 50 Cent brachten den Street-Kommerz auf ein anderes Level. Von den Songs her war „Still D.R.E“ von Dr. Dre und Snoop damals mein Favorit.

Heutzutage ist Hip-Hop sehr präsent, was ich gut finde, aber nicht prägnant. Die Musik war damals emotional nachhaltiger. Man nahm sich die Zeit, um die einzelnen Songs länger zu genießen. Ich bin nicht einer, der sagt, dass früher alles besser war, denn jede Zeit bringt andere Stärken und neue Facetten von Hip-Hop hervor. Das bedeutet, dass Hip-Hop wandelbar ist und das hält Hip-Hop am Leben.

Was früher aber wirklich cooler war: Zu meiner Zeit gab es Outkast, Mobb Deep, DMX, Jay-Z, Missy Elliott und Busta Rhymes. In Deutschland waren es Curse, Azad, Samy, Savas, Freundeskreis, die Beginner und 3P. Jeder Artist war einzigartig. Man konnte sie allein durch ihre Stimme und den Sounds der Songs erkennen. Die Hip-Hop-Community und vor allem die Konzerte waren wie eine Schule, wo man immer die gleichen Leute wieder traf. Dabei war es ganz egal, wen man als Künstler favorisierte. Die Individualität und die Vielfältigkeit der Künstler, das erweckte die Neugier in allen Hip-Hop Fans. Aber der Nachteil von früher ist, dass es nicht leicht war, Mucke zu machen und man oft auf andere angewiesen war.

Der Vorteil von heute hingegen ist, dass Musik leichter zugänglich ist und jeder seine eigene Plattform erschaffen kann. So können die Zuhörer selbst entscheiden, was sie hören wollen und nicht jemand, der dazwischensteht und entscheidet, was realistisch oder realisierbar ist.

Da ich zurzeit selbst aktiv Musik mache, höre ich eher wenig Hip-Hop-Musik, um mich nicht von anderen Künstler und deren Stil beeinflussen zu lassen. So kann ich meine eigenen Ideen und Gedanken unbeeinflusst umsetzen. Wenn ich Musik höre, geht es eher in Richtung Soul und R’n‘B. Ich höre hauptsächlich immer noch Oldschool-Mucke. Aber von den Rap-Künstlern, die aktuell präsent sind, höre ich Rick Ross, Meek Mill und ähnliches.

Esiah

Welche Bedeutung hat Hamburg als deine Heimat für dich?

„Hamburg City ist meine Heimatstadt           
Komm‘ vorbei, wenn es dir passt       
Horner Corner City ist das Leben auch ohne Hiphop krass   
Auf niemanden ist Verlass      
Tag für Tag herrscht Directors cut    
Live on stage unplugged         
Bin ich der Rap-Poet der Gegenwart
Berichte über das wahre Leben          
Vollgepumpt mit Neid und Hass         
Keiner gönnt einem wirklich was       
Ungeschminkt wirkt Hamburg blass
Durchsichtig wie Fensterglas
Ausgefüllt mit Rap-Balast      
Aber manchmal komme ich mir vor wie im Knast    
Meine Damen und Herren, ich fühle mich nackt        
Denn Hamburgs Ellbogengesellschaft ist nicht jedermanns Geschmack.“ 


Muss ich noch was dazu sagen? Hamburg ist mein Hafen, meine Heimat. Die Stadt, die mich aufgezogen hat. Mit all dem Guten und Schlechten. Der Ort, wo ich meine Träume lebe.

Angenommen, Esiah könnte sich jeden Künstler für ein Feature aussuchen. Wer wäre das?

JACKPOT! Den Song würde ich mit Rakim, Nas, Mobb Deep, Common und Lauryn Hill featuren. Daraus würde ich erstmal einen Remix mit DMX, Method Man, Tupac, Biggie und Mary J Blige machen und wiederum daraufhin würde ein Remix Part II mit Missy Elliott, Busta Rhymes, Outkast, Aaliyah und Sparkle entstehen. Die Akustik-Version wäre dann wohl mit John Legend und Alicia Keys, falls Michael Jackson, Sam Cooke und Aretha Franklin nein sagen. Du kannst die Leute schon mal klar machen. Ich fang schonmal an zu schreiben 🙂

Nike oder Adidas?    
Ganz klar: Adidas. Aber bei Schuhen geht nichts über Nike Air Force One. Wenn ich sterbe, dann Barfuß oder in diesen Schuhen (hoffentlich).

Backspin oder Juice?

Da ich die Vielfalt und Features supporte, gebe ich beiden Props.       

Esiah

 „Chilla” hör ich momentan total gern im Auto, „Sag es laut“ hat meiner Meinung nach verdammt viel Energie und ich würde deine Tracks wirklich als eingehende Ohrwürmer bezeichnen. Wie gehst du an deine Tracks? Wie fängt die Entstehung an?

Meine Ideen entstehen überall und jederzeit. Beim Rasieren, beim Duschen, in der Bahn. Wenn eine Idee mich packt und Form annimmt, fange ich im Kopf automatisch zu Reimen an. Meistens ohne Beat, um an nichts gebunden zu sein. Ich höre dann nur auf meinen inneren Rhythmus. Dann mache ich mir Notizen und fische mir beim Reimen die besten Ideen heraus. Während ich vor mich hin reime, entsteht dabei schon die Grundmelodie.

Wenn das Gerüst steht, rufe ich meinen Producer Eric Barcley an und rappe ihm das vor. Und das fast jeden Tag. Und jedes Mal klingt der Track anders *lach*. Da mein Producer selbst mal Rapper war, flashed er mit und wir bringen den Track auf verschiedene Arten rüber. Oder er macht, während ich rappe, einen Freestyle-Beat dazu. Dann trifft er sich mit seinem Pianisten Andreas Paulsen und die Melodie wird eingespielt. Im Anschluss entsteht eine Session, wo wir die Feinheiten aufarbeiten und den Text sowie den Beat erneut durchgehen.

Bei dem Song „Oldschool“ war es umgekehrt. Der Beat stand schon im Rohbau und ich schrieb dazu. Währenddessen formten wir den Song gemeinsam neu. Bei Projekten, wo es musikalisch um andere Künstler geht und ich textlich mitbeteiligt bin, sind die Voraussetzungen anders. Alle Beteiligten, wie zum Beispiel der Produzent, der Künstler und ich, treffen uns meistens im Studio und feilen gemeinsam an dem Projekt. Meistens sind wir dann zeitlich und räumlich gebunden.

Wie sieht dein für dich perfekter Sonntag aus?

Bester Tag zum Ausschlafen, bis die Augen sich von selbst öffnen. Ich mache gerne für meine Liebsten die besten Pfannkuchen – meistens in Slowmotion. Aber da meine Lieblingsmenschen keine Geduld besitzen, kriege ich dann mein Frühstück serviert. Danach folgt ein Serien-Marathon aus Comicverfilmungen, die ich schon synchronsprechen kann, Martial Arts oder Horror-Elementen. Nach einem Spaziergang höre ich gerne Sam Cooke, Michael Jackson oder Oldschool-Musik.

Danke für deine Zeit, Esiah! 

Auch ich sage „Danke“ für das Interview und an alle Fans, die mich bis hierhin begleitet haben!

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