Chakuza: Hip-Hop war noch nie so wack wie jetzt!

Die perfekte Mischung zwischen harten Zeilen und emotionaler Tiefe: Chakuzas Musik ist echt und authentisch. Und auch der Mensch hinter den Texten ist genau das. Ein zielstrebiger Frühaufsteher, der für seine Ansichten einsteht, sich selbst treu bleibt und sich nie verbiegen würde. Scheiß auf Fame, Chakuza ist ein Statement für sich.

Pünktlich geht Chak ans Telefon, als ich ihn anrufe. Wir schnacken erst einmal ein wenig über Corona und den damit verbundenen Auflagen in Österreich, über seinen Tätowiertermin und darüber, dass er aufgehört hat zu rauchen. Das beeindruckt mich, denn ich selbst habe es noch nicht auf die Kette bekommen, dem Nikotin abzuschwören. Dass ich heute mit Chak telefonieren darf, ist mir eine Ehre, denn ich bin selbst von Anfang an Fan seiner Musik und verfolge ihn schon seit der Zeit bei erstguterjunge. Seine Texte haben mich schon immer berührt und durch verschiedenste Lebensphasen begleitet. Umso beeindruckter bin ich von seiner Authentizität, die er am Telefon rüberbringt. Er wirkt nicht nur sehr gelassen, man nimmt ihm wirklich bei jedem Wort ab, dass er es auch so meint, wie er es sagt. Authentisch sein ist ihm wichtig, Verlässlichkeit ebenso.

Er ist zum Zeitpunkt des Interviews im Studio, nimmt sich aber alle Zeit der Welt, meine Fragen zu beantworten. Gerade Ende Oktober hat er sein Album „City Cobra 2.0“ released, nach „Aurora“, „Aurora MC“, „Magnolia X“, „Heavy Rain“ und „Luna“ die sechste Veröffentlichung innerhalb der letzten zwei Jahre. Die Kreativität scheint gerade bei ihm zu sprudeln. „Ich fühle mich momentan sehr beflügelt, weil alles passt und ich zufrieden bin. Da könnte ich pausenlos Tracks veröffentlichen“, erzählt er mir grinsend. Ja, er hat ein neues Team an seiner Seite, dass ihn bei allen wichtigen Angelegenheiten unterstützt. Und das ist nicht eingekauft, sondern besteht aus festen Freunden, auf die man sich verlassen kann. Einfach ehrlich halt.

Alle Fotocredits auf dieser Seite: Jakob Mathis

Was war der Anlass für City Cobra 2.0? Was macht den Unterschied zu deinen anderen Alben, die du ja auch in ein neues Gewand hättest hüllen können?

City Cobra war ja mein erstes Album. Im Grunde genommen habe ich von den ganzen Hörern und Fans immer wieder das Feedback bekommen, wie wichtig ihnen diese Platte war – und ja, mir bedeutet das erste Album natürlich auch viel. Für mich war es auch ein Anspruch, viele alte Statements von mir noch mal zu ändern, weil ich sie fast schon hasse. Und so kam zur neuen Version, mit der ich jetzt viel besser leben kann.

Wenn du an das Release von City Cobra 2007 zurückdenkst und ein Resümee ziehst: Es sind 13 Jahre vergangen, in denen du auch schwierigere Zeiten hattest. Lief dennoch alles insgesamt in die richtige Richtung, also bist du insgesamt zufrieden?

Damals dachte ich noch, mit 31 höre ich auf mit Rap. (lacht) Früher war man jung und wild und da denkst du nicht wirklich länger als drei Jahre in die Zukunft. Heute bin ich der, der ich halt bin. Und so wie es jetzt ist, ist es gut. Wenn es das alles gebraucht hat, umso zu werden, wie ich bin, dann war das wohl so. Ich bin zufrieden. Alles läuft gut, ich kann mich nicht beschweren. Ich weiß auch gar nicht, ob ich schon jemals so viel Bock hatte, Musik zu machen wie jetzt. Ich muss keinem was beweisen und bin einfach ich. Das macht mich heute frei in dem, was ich tue und genau das gibt mir die Möglichkeit, heute einfach Musik zu machen.

„Ich würde gar nichts ändern. Zumindest nichts Grundlegendes.“

„Soll ich weinen, weil ich von dieser wacken Szene nie ein Teil war? Alles fake, sie reden immer schlecht, doch batteln will mich keiner.“ Was ist diese Hip-Hop-Szene eigentlich für dich, welche Bedeutung hat sie?

Irgendwie ist doch alles Fake in dieser Hip-Hop-Szene, was mich wirklich ein wenig anwidert. Dieses ganze Ego-Gehabe, da ist nichts Ehrliches, nichts Gerades dahinter. Wir haben hier alle normale Jobs gehabt oder haben sie auch immer noch. Wir sind ganz normal eigentlich, helfen beim Freund auch mal auf dem Bau. Also eigentlich ein ganz normales Leben. Ich hasse dieses Gehabe. Ich will mich nicht bemühen, um in dieser Szene zu gefallen. Hip-Hop war noch nie so wack wie jetzt. Es wird so viel kopiert und das wird dann so gehypet. Selbst die Leute, die ich mal für real hielt, enttäuschen mich heute eher.

Nachdem du letztes Jahr Aurora releast hast, war ich mal wieder schwer von deiner Gefühlstiefe beeindruckt – fiel es dir schon mal schwer, deine Gefühle so preiszugeben? Image als harter Kerl und so?

Ich hatte ja eigentlich schon immer die Freiheit, auch diese Gefühlssachen zu schreiben, das war damals auch schon bei EGJ so. Der „böse Chakuza“ (ich hasse diesen Begriff eigentlich) ist ja aber noch da, wenn ich da Bock draufhabe. Dann bin ich auch mal wieder härter. Ich bin halt Künstler und will auch individuell sein. Das ist halt Hip-Hop und ich bin halt Rapper.

In einem Chakuza-Fanfragenvideo von dir hast du 2019 gesagt, dass eine Tour für dich in naher Zukunft nicht in Frage käme. Warum?

Ach, ich habe keinen Bock mehr, in einem Nightliner wochenlang durch die Gegend zu fahren. Dafür spiele ich gerne mal am Wochenende in einem Club. Auch durch die Probleme mit meinem Bein ist mir das alles zu anstrengend. Aber, wer mich live sehen möchte, der kann das auch sicherlich bald wieder erleben.

„Ich habe jetzt das Glück, dass ich nur Menschen um mich habe, die mich wirklich unterstützen.“

 „Manchmal brauch‘ ich auch eine Pause, eine Auszeit“ rappst du im Titel „Licht aus“. Was ist deine perfekte Auszeit?

Momentan zocke ich, obwohl ich das noch nie zuvor in meinem Leben gemacht habe. Mein Schwager kam jedoch neulich mit dem aktuellen Call of Duty um die Ecke. Gerade jetzt in der Quarantänezeit war das für mich eine gute Möglichkeit, abschalten. Wenn ich abends nach Hause komme, esse ich was, mache dann entweder Sport oder zocke halt.

Du kennst auch Zeiten, wo es nicht so richtig rund lief. Angenommen, Geld würde keine Rolle spielen, weil es auf deinem Sparbuch im Überfluss vorhanden wäre. Was würdest du tun? Wie würdest du leben? Was würdest du sofort ändern?

Ich würde gar nichts ändern, glaube ich. Zumindest nichts Grundlegendes. Vielleicht ein neues Auto oder ein neues Haus. Ich mache mir aber nicht viel aus materiellen Dingen und bin sehr zufrieden.

„Kein Wikipedia Chakuza-Google-Suchvorgang“ – siehst du das Internet und die sozialen Medien eher als Chance oder nervt dich der Insta-Hype manchmal sogar?

Eigentlich ist das so eine Art Hassliebe. Es ist schon cool und vereinfacht viel. Als ich mit Musik angefangen habe, da konnte man nichts irgendwo einfach so hochladen. Wir haben CDs und DVDs verschickt, das Internet macht es da schon einfacher. Es gibt jedoch natürlich immer viel zu viele Idioten, die da rumlabern. Ich nutzte es für mich so positiv wie es geht – und die anderen sollen halt machen, was sie meinen.

Du hast seit Anfang 2019 wieder enorm die Schlagweite deiner Releases erhöht, nachdem du dich erholt hattest. War es dir wichtig, sowohl deine „Lost Songs“ zusammenzutragen als auch ein Statement abzuliefern, dass du nicht unterzukriegen bist?

Witzig dabei ist: Ich wusste manchmal gar nicht mehr, was für Tracks von mir im Umlauf waren. Mein neuer Manager hat mich schon immer verfolgt und kam mit der Idee um die Ecke, diese Dinge mal zusammenzutragen. Manchmal habe ich gedacht: „Was ich habe ich da bloß gerappt?“ (lacht)

„Wenn alle noch schlafen und ich meine Ruhe habe, bin ich echt am produktivsten.“

Welches deiner Alben war für dich persönlich das emotionalste? Welches hat dich am meisten berührt?

City Cobra, Magnolia, Aurora und Heavy Rain würde ich sagen. Weil sich da immer was verändert hat. City Cobra war mein erstes Album, Magnolia die Wandlung zu einem neuen Stil. Da habe ich viele neue Hörer gewonnen, aber auch alte verloren. Dann kamen Probleme mit meinem Lebenswandel dazu, nach der Veröffentlichung von Suchen und Zerstören 2 war so ziemlich alles hinüber. Da hätte ich fast aufgehört mit Musik, mich an der Uni eingeschrieben und Sozialpädagogik oder so etwas studiert. Ein damaliger Kumpel hat mich jedoch motiviert, weiterzumachen. Heute habe ich keinen Bock mehr auf diese ganze Business-Scheiß-Sache. Ich habe jetzt das Glück, dass ich nur Menschen um mich habe, die mich wirklich unterstützen. Kein Bock mehr auf die große Maschinerie, es muss einfach so sein, dass es funktioniert.  

2014 hast du die Entstehung deines Albums „Exit“ in einem Making-Of-Video dokumentiert. Ich habe es mir mehrfach angesehen, weil ich so beeindruckt von deiner Arbeitsweise war. Hat die sich seitdem verändert? Oder ziehst du dich noch immer zurück, um in Ruhe kreativ schaffen zu können?

Ich arbeite immer allein und brauche dafür meine Ruhe. Da muss ich mich einsperren, um kreativ sein zu können. Es gibt einen Ort, an dem ich schreibe: Mein Studio. Und diesen Ort kennen auch wirklich nur zwei Leute. Morgens um halb sechs fahre ich da meist hin und bin bis abends dort. Früher habe ich nur nachts gearbeitet. Wenn alle noch schlafen und ich meine Ruhe habe, bin ich echt am produktivsten. Dieses Gefühl, wenn man merkt, alles ist noch ruhig und der Tag fängt gerade erst an. Echt geil. Wenn man den ersten Bus fahren hört und der sogar noch leer ist, weil alle noch pennen. Abends um halb sieben ist dann aber auch Feierabend und Schluss.

Danke für deine Zeit, Chakuza!

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